Die posturologische Behandung
Die therapeutische Vorgehensweise verlangt ein ganzheitliches Wissen über das neurophysiologische Haltungssystem.
Um das Körperhaltungssystem effektiv behandeln zu können, müssen alle Informationssysteme, die das Haltungssystem für seine Kontrolle benötigt, genau untersucht werden.
Denn was wenig bekannt ist, ist das Wissen, dass die sensorischen Informationssysteme auch durch das moderne Leben verändert und beeinträchtigt werden, zum Beispiel durch ungeeignetes Schuhwerk, Fußbetten, orthopädische Einlagen, nicht zentrierte Brillen, unterschiedliche Zahnmaterialien, Zahnfehlstellungen, etc.( Button zusätzliche Therapien und Behandlungsbeispiel dokumentiert mit dem Haltungsanalysesystem corpus concepts)
Diese ursächliche Behandlung setzt bei Bricot nicht an den Muskeln und dem Skelettsystem an, sondern an den gestörten Rezeptoren, d.h. auf der neurophysiologischen Ebene an.
Bei dieser anderen therapeutischen Vorgehensweise greifen wir gezielt in die körpereigenen Regelmechanismen ein, um den Patienten zurück in seine optimale Körperhaltung zurück zu bringen.
Denn in dieser Haltung befindet sich der Patient in seinem optimalen spannungsfreien Gleichgewicht. Durch das Zurückbringen des Patienten in sein optimales Gleichtgewicht verschwinden die bisherigen abnormalen Muskelverspannungen und der Patient wird auf diese Weise wieder beschwerde- und schmerzfrei.
Nach Bricot ist das Ziel dieser Therapie, die Muskulatur zu einem Verbündeten zu machen, d.h. Der Posturologe bringt die Muskeln auf seine Seite“.
Diese Zugangsweise zur Behandlung von Beschwerden bzw. Schmerzen im Bewegungsapparat macht diese therapeutische Vorgehensweise bis heute einzigartig.
Vor der Anwendung der Einlegesohlen zur posturalen Stabilisierung nach Bricot sollten Sie unbedingt folgendes beachten:
1. Diese Einlegesohlen wirken regulierend auf das Haltungssystem.
2. Zu Beginn dieser Therapie benutzen Sie bitte erst die Testsohlen zu diagnostischen Zwecken, denn durch sie lassen sich die ursächlichen Rezeptorstörungen erkennen und dem entsprechend behandeln, um so sofort ihren ursächlichen Störeinfluss im Haltungssystem erkennen zu können.
3. Die Verordnung dieser Sohlen macht nur dann Sinn, wenn von Anfang an die anderen Rezeptorstörungen, vor allem die der Augen und/ oder des stomatognathen Systems (Clenching, Bruxismus), pathologische Narben mitbehandelt werden.
4. Am Ende der 1. Untersuchung muss nach Bricot grundsätzlich ein echtes kurzes Bein ausgeschlossen werden.
Denn wird so eine echte Beinlängendifferenz übersehen und nicht entsprechend korrigiert, dann stellt sie ein nicht unerhebliches Therapiehindernis auch in der Posturologie dar.
5. Die alleinige Verordnung dieser Sohlen würde den Fußrezeptor und damit das Haltungssystem zwingen, sich weiterhin bzw. wieder auf die oben aufgeführten Störungen zu adaptieren.
6. Erst nach ca. 6- 8 Wochen Behandlung, zum 2. Untersuchungs -termin , empfiehlt Bricot, je nach vorliegendem Befund, ein zusätzliches zahnärztliches Konsil.
Denn nach Bricot verursacht das stomathognathe System direkt nur 15 % der Störungen des Haltungssystems. (siehe Zähne-Kiefer)
Nun möchte ich auf die weitere Vorgehensweise bei der posturologischen Behandlung eingehen:
Ca. alle zwei Monate sollten Sie Ihre Patienten wieder zur Kontrolle einbestellen.
Bei jeder Untersuchung sollten Sie den Unterschied in der Haltung mit und ohne Sohlen dokumentieren.
In den ersten 12 Monaten der Behandlung hat der Patient meist eine bessere Körperhaltung mit den Sohlen als ohne.
Ändert sich die Haltung mit oder ohne Sohlen nicht mehr, gilt der Patient als ausreichend korrigiert. Dann beginnen Sie mit der langsamen Entwöhnung von der Therapie.
Der von Bricot empfohlene Behandlungszeitraum von ca. 12 Monaten ist ein Erfahrungswert, der sich auch bei seinen Experimenten bestätigt hat.
Die Dauer der Therapie hängt entscheidend von der konsequenten Mitarbeit Ihrer Patienten ab.
Ein kürzerer
Behandlungszeitraum findet sich meist nur bei angepassten oder noch leicht reversiblen Fußverformungen. Dann darf man mit der Entwöhnung auch schon früher beginnen.
Falls sich die vollständige Korrektur eines Rezeptors als unmöglich erweist, muss diese Entwöhnungsphase nach Bricot lebenslang weitergeführt werden.
Dies betrifft vor allem folgende Erkrankungen
- Verlust der Sehfähigkeit oder Schwachsichtigkeit auf einem Auge - Strabismus (Schielen) oder Mikrostrabismus (geringgradiges Schielen)
- Achsenfehler der unteren Gliedmaßen wie X- oder O-Beine - Skoliosen oder posttraumatische Folgeschäden
- postchirurgische Fehlstellungen
- neurologische Erkrankungen wie z.B. multiple Sklerose, amyotrophische Lateralsklerose, Parkinson, Hemiplegie (Halbseitenlähmung)
- aber auch Erkrankungen infolge eines nicht korrigierten Fehlbisses (Okklusionsstörung).
Das liegt darin begründet, dass kaum ein Erwachsener mit chronischen Nackenschmerzen infolge eines ausgeprägten Fehlbisses, bereit ist, über 2 Jahre seine Zahnfehlstellung kieferorthopädisch behandeln oder sich am Kiefer operieren zu lassen, um so einen vorspringenden Unterkiefer (Bissklasse III) oder einen Überbiss der Bissklasse II/2 korrigieren zu lassen.
Was nicht vergessen werden sollte, ist das eigentliche Ziel der Posturologie.
Sie will vor allem die Störungen des Haltungssystems frühzeitig erkennen, um somit Fehlhaltungen und ihren Folgen vorbeugen zu können.
Denn Vorbeugung ist immer noch besser als Heilung.