Unser Haltungssystem richtig verstehen lernen

Die Rolle unserer Augen für das Haltungssystem

In der Medizin/ Zahnmedizin schenkt man den Augen auch heute noch kaum Beachtung, wenn es um die Behandlung von Beschwerden des Kopf- und Bewegungsapparates, Gleichgewichtsproblemen oder kognitiven Störungen geht.

Die Augen und ihre Behandlung beschränken sich auf den Facharztbereich der Augenheilkunde. Augenärzte kümmern sich normalerweise primär um die Behandlung von Refraktionsanomalien (Myopie, Hypermetropie, Astigmatismus, etc.), die Bricot als Störungen der sensoriellen Exterozeption bezeichnet.

Neben den Füßen sind auch unsere Augen wichtige Rezeptoren- Informationslieferanten - für unser Haltungssystem. Sie steuern unser Gleichgewicht und unsere Körperhaltung. 

Des Weiteren helfen sie uns bei der Orientierung im Raum und steuern alle visuell beeinflussbaren Bewegungen.

Augenmuskelfehlstellungen wie Strabismus, Mikrostrabismus, ect. sind nach Bricot Störungen der Propriozeption und müssen deshalb auch unbedingt behandelt werden. Dies erfolgt für den Augenarzt mit dem Ziel, dass beidäugige Sehen zu ermöglichen und zur Vorbeugen vor der Erblindung des schwächeren Auges.

Störungen des Binokularsehens, wie z.B. durch Strabismus, Mikrostrabismus, etc. gehören nach Bricot zwar auch zu den wirklichen Gründen für Fehlhaltungen und ihre Folgen. Starke Störungen werden jedoch meist vom Gehirn neutralisiert oder frühzeitig von den Augenärzten erkannt und behandelt (siehe oben).

Bricot sieht vor allem in den Störungen wie latentes Schielen, Schwächen in der Akkomodation, asymmetrische Konvergenzstörungen oder asymmetrische Refraktionsstörungen die Hauptverursacher von Fehlhaltungen, etc. an. Und gerade diese Störungen werden von Augenärzten meist als harmlos angesehen, so lange sie das Sehen nicht erheblich beeinträchtigen.

Leidet ein Patient z.B.an Spannungskopfschmerzen oder Migräne, oder an Konzentrations-, Gleichgewichts-, Koordinationsstörungen oder Schwindel werden Augenärzte in der Regel nur zum Ausschluss von Refraktions- anomalien mit hinzugezogen.

Nach Bricot sollten die Augen als Eingänge zum Haltungssystem verstanden werden.

Nach meinen eigenen Recherchen sieht dies auch die Neurophysiologie so, denn Sehen können, ist eine reine neuronale Leistung und spielt sich im Kopf ab.

Viele Störungen, die den Kopf (Gehirn) betreffen, wie Schädel-Hirntraumata, Commotio, HWS- Schleudertraumata, Medikamente, etc. beeinträchtigen fast immer auch das Sehvermögen, d.h. Schläge auf den Hinterkopf erhöhen nicht nur das Denkvermögen, sondern verschlechtern vor allem das Sehvermögen.

Sehen können, ist also eine neurophysiologische Leistung, die von dem ausgewogenen Zusammenspiel der Exterozeptoren (Stäbchen (95%) und Zäpfchen(5%)), der Propriozeptoren (alle Augenmuskeln) und deren intakten synaptischen Verschaltungen zu den entsprechenden Hirnzentren abhängig ist.

Neurophysiologisch spricht man deshalb auch vom visuellen System.

Zum visuellen System zählen neben den Augen die Netzhaut (Retina), die Sehnerven, Teile des Thalamus und des Hirnstamms sowie die Sehrinde.

Die Lichtreize werden von den Sinneszellen der Retina, den Stäbchen(95%) und Zapfen (5%), registriert. Die Fortsätze dieser Ganglienzellen bilden zusammen den II. Hirnnerv (N. opticus), der die Aktionspotentiale der Stäbchen und Zäpfchen weiterleiten. Die Lichtinformationen, die in der Retina erfasst worden sind, werden über die Sehnerven ans Gehirn weitergeleitet. Dabei überkreuzen sich hinter den Augen die nasalen Sehfasern im Chiasma opticum, so dass die Information aus der rechten Hemisphäre des Gesichtsfeldes (fällt auf die linke Retinaseite) in die linke Hemisphäre geleitet wird und die Information aus dem linken Gesichtsfeld in die rechte Hemisphäre. Das nachfolgende Nervenbündel wird Tractus opticus genannt und führt zu einem Gehirnbereich namens CGL (= Corpus geniculatum laterale). Dort wird die optische Information weiter verarbeitet und an die primäre Sehrinde im hintersten Teil des Großhirns weitergeleitet. Der CGL liegt im Zwischenhirn (Thalamus), und wird im Englischen LGN genannt.

Bei der Weiterleitung der Informationen über die Sehnerven und Kniehöcker bleiben die räumlichen Lagebeziehungen der einzelnen Rezeptoren (Stäbchen, Zäpfchen, etc.) in den Lagebeziehungen der Nervenbahnen und Synapsen erhalten.

Auch hier handelt es sich in gewissermaßen um eine somatotope Gliederung, die als sogenannte Retinotopie bezeichnet wird. Diese Lagebeziehung ist im visuellen Kortex als neuronale Karte nachweisbar. Die nervalen Aktivitäten der Nervenzellen dieser Karte repräsentieren die Wahrnehmung der Szene, allerdings ebenfalls in verzerrter Form. d.h. die rechte und linke Hälfte der Informationen werden voneinander getrennt in der rechten und linken Hirnhälfte wahrgenommen. Das Erkennen von einzelnen Elementen und ihre Bedeutung erfolgt wahrscheinlich durch Vergleich mit bereits gespeicherten Erfahrungen, d.h. die Szenen werden mit Körpergefühlen, Emotionen, Gerüchen, Geräusche und vieles andere mehr verknüpft. Die empfangenen Lichtreize ermöglichen erst den Bezug zu inneren Bildern und werden so zu Wahrnehmungen, die durch wiederholte Betrachtung verfeinert werden. Dadurch können wir jetzt auch verstehen, weshalb die Wahrnehmung von Personen oder Gegenständen, die uns sehr vertraut sind, viel schneller vor sich geht, als die Wahrnehmung von etwas Unbekanntem. Der so genannte erste Eindruck, den man z.B. von einer Person hat, hängt also sehr stark davon ab, ob und in welchem Zusammenhang bestimmte Merkmale wie Farbe, Form, etc. bereits im ZNS gespeichert wurden.

Mit der Sehbahn sind die motorischen Nervenbahnen der Augenreflexe synaptisch verschaltet, die die Augenmuskeln (Propriozeptoren) steuern. Hierbei handelt es sich um Reflexe, die das automatische Fixieren von statischen oder bewegten Objekten reflektorisch steuern und dabei die bereits verarbeiteten räumlichen Informationen aus der Sehrinde reflektorisch nutzen.

Zu den Fixierungsreflexen bzw. Augenmuskelreflexen zählen der Pupillen-, Akkomodation- und Konvergenzreflex.

Der Pupillenreflex reguliert den Lichteintritt in das Auge. Dabei werden beide Augen gemeinsam gesteuert. Durch den Lichteinfall kontrahiert sich schlagartig die Irismuskulatur (Sphincter) und lässt somit weniger Licht auf die Retina, um Blendung zu vermeiden. Die Steuerung erfolgt polysynapisch und verläuft unbewusst. Die Pupillenerweiterung wird bei Abdunklung von einem anderen Muskel (M.dilator), über einen sympathischen Nerv gesteuert.

Der Akkomodationsreflex ist eine Anpassung der Linse an die unterschiedlichen Entfernungen zu einem fixierten Objektes (Buch, Auto,etc.). Die Veränderung der Linsenkrümmung (Viskoelastizität der Linse = Exterozeptoren) wird durch die Ziliarmuskeln (Propriozeptoren) reflektorisch ausgelöst.

Akkomodationsstörungen finden sich häufig bei Kindern und Jugendlichen und bleiben jedoch meist unerkannt oder werden von den Augenärzten als harmlos angesehen. Sie beruhen auf einer noch unreifen Propriozeption.

Um ein Objekt in der Nähe, insbesondere unter 1 m, scharf sehen zu können, müssen die Augen optimal koordiniert werden können. Dazu müssen die Konvergenz, die Akkomodation und die Veränderung der Pupillenweite optimal aufeinander abgestimmt werden. Da dieser Vorgang parasympatisch (M. pupillae und M. ciliaris) gesteuert wird, wird nun vielleicht auch verständlich, dass diese Koordinationsfähigkeiten sehr stressanfällig sind.

Bei Störungen der Akkomodation spricht man in der Neuropysiologie auch von einer Hypoakkomodation, bzw. Anpassungsstörung der Augen. Diese Störungen, die leicht zu diagnostizieren und therapieren sind, bringt man im Praxisalltag meist nicht mit Störungen im Kopf- und Bewegungsapparat oder mit kognitiven Störungen in Verbindung.

Die Symptome wie Konzentrationsstörungen, Kopf-, Nackenschmerzen zeigen sich vor allem in Stresssituationen oder den Lehrern in der Schule fällt auf, dass den Kindern das Abschreiben von der Tafel schwer fällt. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Steuerzentrale Probleme damit hat, sich permanent auf den Wechsel zwischen Fern- und Nahsicht immer wieder neu einzustellen, d.h. die Propriozeptoren der Augen können von den motorischen Bahnen aus den Gehirnarealen nicht mehr richtig gesteuert werden.

Im Erwachsenenalter können diese Anpassungsstörungen ebenfalls nachgewiesen werden. Ein Grund hierfür ist die bisher nicht erkannte und damit nicht behandelte Akkomodationsstörung. Ein anderer Grund liegt in der altersbedingten allmählich nachlassenden Funktion der Linse (grauer Star als Ausdruck eines degenerativen Prozesses). Diese Störungen, die häufig auch einseitig vorgefunden werden, werden als Katarrakt (grauer Star) bezeichnet. Diese Störung wird von Augenärzten als harmlos angesehen, eventuell bei zunehmendem Nachlassen der Sehschärfe mit einer Brille korrigiert. Tritt eine weitere Eintrübung der Linse ein wird die betroffene Linse von den Augenärzten ausgetauscht (Katarrakt-Op), um so der meist schon der deutlichen Einschränkung des Sehvermögens entgegen zu wirken. Bei einseitigem Katarrakt wird nämlich das beidäugige Sehen zunehmend schwieriger bis fast unmöglich. Klinisch zeigt sich diese Störung nach meinen Erfahrungen durch ein unsicheres Gangbild, häufiges Stolpern, idiopatischer Schwindel, Problemen beim Autofahren, besonders in der Dämmerung, etc.. Diese Störungen bergen deshalb eine erhöhte Sturz- bzw. Unfallgefahr, die ja gerade im höheren Alter nicht gerade selten sind.
Diese Akkomodationsstörungen (symmetrisch oder asymmetrisch) können das Haltungssystem ebenfalls stören. Sie werden bisher in der Medizin ebenfalls nicht mit Fehlhaltungen und ihren Folgen in Verbindung gebracht.

Meiner Meinung nach kann das Haltungssystem hierbei im Erwachsenen -alter dekompensieren, da diese Akkomodationsstörung (beginnender Katarrakt) z.B. häufig zu einer bisher nicht erkannten und damit nicht behandelten Augenrezeptorstörung hinzukommen ist. Dies erhöht dann die Anzahl der schon gestörten Rezeptoren, worauf das Haltungssystem dekompensiert. Bricot spricht hierbei vom Summations- effekt. Dieser Fehler kann aber auch zu einer anderen primären Rezeptorstörung wie dem stomatognathen System, des Fußrezeptors und/oder des Hautrezeptors (Narbe) hinzugekommen sein.

Da diese Rezeptoren in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen, können sie so das Haltungssystem dekompensieren lassen und so auch zu Beschwerden im Kopf- und Bewegungsapparat führen oder diese verstärken. Auf diese Augerezeptorstörungen passen sich sowohl das stomatognathe System, aber vor allem die Füße an.

Diese Zusammenhänge sollten deshalb bei der Versorgung auch von Fußfehlstellungen unbedingt bekannt sein.

Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Medikamente, die die Betroffenen aufgrund von Multimorbidität (Betablocker, etc.) schon einnehmen und die häufig auch in der Schmerztherapie eingesetzt werden wie z.B. zentralwirkende Pharmaka, Antidepressiva, Schlafmittel. Sie alle tragen ihren Teil dazu bei, dass das Haltungssystem dekompensiert. (siehe Beipackzettel unter Nebenwirkungen: Anpassungsstörungen der Augen, Einschränkung der Fahrtüchtigkeit).

Der Konvergenzreflex dient zur Ausrichtung der Sehachsen beider Augen an die Entfernung eines fixierten Objekts. Bei weit entfernten Objekten stehen die Sehachsen dabei parallel. Je näher sich das Objekt vor dem Gesicht befindet, umso mehr müssen sich die Augenmuskeln anpassen und sich nach innen drehen.

Nur so können die Augenmuskeln ihre Sehachsen gezielt auf das Objekt ausrichten, d.h. die Augenmuskeln mit ihren Sehachsen neigen sich aufeinander zu, sie konvergieren. Die Augenbewegungen dienen also der Ausrichtung der Sehachsen, aber auch zum Ausgleich von Kopfbe- wegungen oder zur Verfolgung von bewegten Objekten.

Um binokular(beidäugig) sehen zu können, brauchen wir deshalb immer zweierlei Funktionen der äußeren Augenmuskeln: eine langsame, gleitende Bewegung und sakkadische Augenmuskel -bewegungen.

Die langsamen Augenmuskelbewegungen dienen zur Ausrichtung der Sehachsen (Konvergenz) zum Ausgleich von Kopfbewegungen oder zur Verfolgung von bewegten Objekten.

Die sakkadischen Augenbewegungen (Sakkaden) sind rasche, ruckartige Augenbewegungen. Sie dienen der Ergänzung der peripheren Wahrnehmung.

Die erste Stufe des beidäugigen Sehens bzw. räumlichen Sehens ist die gleichzeitige Wahrnehmung der Seheindrücke beider Augen.

Die nächste Stufe wird Fusion genannt und ist die Fähigkeit, die Bilder von jedem Auge zu einem einzigen Bild zu verschmelzen. Dies ist die Grundlage für die dritte und höchste Form des räumlichen Sehens.

Die Fusion verschmilzt die beiden getrennt wahrgenommenen Bilder des rechten und linken Auges zu einem einzigen Bild.

Man unterscheidet dabei zwischen sensorischer = zentraler Bildverschmelzung (Fusion) und motorischer Fusion, die über die äußeren Augenmuskeln erfolgt.

Die Fusionsfähigkeit kann durch unterschiedliche Belastungen eingeschränkt werden wie z.B. schlechte Sehschärfe, verdecktes Schielen, ungünstige Lichtverhältnissen, etc.

Die optimal koordinierten Augenbewegungen werden erst durch ein intaktes okulomotorisches Nervensystem möglich. Sie werden durch zahlreiche nervale synaptische Verschaltungen zwischen den Augenmuskelkernen im „Blickzentrum“ der Colliculi superiores (obere zwei Hügel) des Tectums. (Vierhügelplatte) und der motorischen Fasern vom somatosensomotrischen-sensoriellen Kortex, die durch das Corpus callosum absteigen, gesteuert. Über polynaptische Verschaltungen des Faszikulus longitudinalis medialis mit den Vestibulariskernen, den Trigeminuskernen und Halsmuskelkernen und deren Nerven V.Hirnnerv, (Trigeminus), XI. Hirnnerv (N.akzessorius), etc. stehen sie mit dem Gleichgewichtsorgan, dem stomatognathen System und den Nacken- Schultermuskeln in Verbindung. 

Das  Fasziculus longitudinalis medialis, ein paariges »mittleres Längsbündel«  zieht vom Mittelhirn durch die Formatio reticularis des Hirnstamms, über den Rückenmark-Vorderstrang bis zum Ende des Brustmarks. Es verbindet die Augenmuskelkerne mit den Vestibularis- und Halsmuskelkernen und koordiniert so die Stellung und Bewegungen der Augen, des Kopfes und der Körperhaltung.

Der Nervus oculomotorius (III. Hinnerv) hat zwei Kerne – der eine ist für die Motorik der 6 äußeren Augenmuskeln  zuständig, der andere wirkt parasympathisch. Beide Kerne  liegen im Mittelhirn des Hirnstamms, und zwar auf Hohe der Colliculi superiores (obere Hügel).
Neurone aus dem motorischen Hauptkern (Nucleus nervi oculomotorii) innervieren 6 der insgesamt 8 Augenmuskeln und die oberen Lidheber. Dieser Kern ist in weitere Unterkerne unterteilt. Nur ein Unterkern ist nur einmal  angelegt und für die beiden oberen Lidheber zuständig, während die anderen Unterkerne für alle anderen Muskeln paarig angelegt sind.
Der parasympathische Kern (Nucleus accessorius nervi oculomotorii oder Nucleus Edinger-Westphalbefindet sich hinter dem motorischen Hauptkern. Seine Neurone innervieren die zwei inneren Augenmuskeln: den Muskulus sphincter pupillae (Miosis = Verengung der Pupillen durch die parasympathische Aktivität) und den Muskulus ciliaris für die Akkomodation.

Der Nervus trochlearis (IV. Hirnnerv) besitzt nur einen Kern, nämlich den motorischen Nucleus nervi trochlearis, der ebenfalls im Mittelhirn, aber auf Höhe der Colliculi inferiores (untere Hügel) liegt und für den Muskulus obliquus superior zuständig ist.

Der Nervus trochlearis ist der einzige Hirnnerv von unseren 12 Hirnnerven, der auf der Rückseite des Hirnstamms austritt.

Auch der Nervus abducens (VI. Hirnnerv) hat ebenfalls nur einen Kern, den Nucleus nervi abducentis, der die Motorik des Muskulus rectus lateralis steuert. Dieser Kern befindet sich im Gegensatz zu den anderen Kernen nicht im Mittelhirn, sondern in der kaudalen Pons (Brücke), wo er relativ weit medial liegt.

Mehrere Zentren für die Blickkoordination liegen in der Formatio retikularis, die die Bewegung der Augen direkt oder mittelbar steuern

Was bisher unter den meisten Mediziner kaum bedacht wird, ist die Tatsache, dass das visuelle System wie auch das ZNS bei der Geburt noch sehr unreif ist, da die Augen im Uterus fast keine Seheindrücke (Informationen) erhält. Aufgrund dieser Unreife des Sehsystems können Neugeborene nur max. 20 cm weit, nur schwarz- weiß und Kontraste sehen. Ihre Sehschärfe liegt bei 10%. Erst durch das Verarbeiten von Seheindrücken (Lichtinformationen) zu Bildern werden neue Synapsen im Gehirn gebildet und die visuellen Informationen im visuellen Kortex gespeichert. Durch die Überkreuzbewegungen werden die synaptischen Verschaltungen der Sehnervenbahnen auch im Corpus callosum weiter verstärkt. Durch die zusätzliche Reifung der Exterozeptoren durch Lernen (neue Sinneseindrücke) und Propriozeptoren (durch die langsam sich verbessernde Koordination der Augenmuskeln) wird ca. bis zum Alter von 2 Jahren die volle Sehschärfe erreicht. Bis zum 6. Lebensjahr erlangen wir dann auch die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Tiefenunterschieden, das Binokularsehen bzw. das beidäugige Sehen. Denn auch dieses lernen wir nur durch Erfahrungen und nur wenn wir unsere Augenmuskelbewegungen optimal koordinieren, damit unsere Sehachsen parallel stehen.

Die Fähigkeit zum optimalen beidäugigen Sehen wiederum ist eine Grundvorrausetzung für die normale Entwicklung unseres Haltungssystems.

Diese unerkannten Augenrezeptorstörungen sind nicht selten die Ursache für Fehlhaltungen und ihren Folgen, sowie kognitiven Störungen( Konzentrations- Koordinationsstörungen, Ängste, etc.) in der Kindheit und später auch im Erwachsenenalter, da sie selten erkannt und deshalb nicht mit diesen Symptomen in Verbindung gebracht werden.

Auch die Entwicklung unserer Händigkeit (Lateralität) ist von der Reife der Nervenbahnen, die durch das Corpus callosum ziehen, abhängig.

Nur durch dessen zunehmende synaptische Verschaltung durch das Trainieren von Überkreuzbewegungen lernt das Gehirn mit der rechten Gehirnhälfte immer mehr die linke Körperhälfte und mit der linken Gehirnhälfte die rechte Körperhälfte zu steuern. Neurophysiologisch spricht man hierbei von der motorischen Dominanz, die beim Rechtshänder normalerweise in der linken Hemisphäre und beim Linkshänder in der rechten Hemisphäre liegt. Bis zum 6. Lebensjahr haben wir normalerweise unsere Lateralität (Händigkeit), d.h. unsere motorische Dominanz, entwickelt. Nur wir Menschen lateralisieren uns. Darin unterscheiden wir uns von den Tieren.

Störungen im Haltungssystem wie z.B. eine asymmetrische Augenkonvergenz oder aber auch das Umlernen des Schreibens auf die rechte Hand bei einem Linkshänder (umgelernter Linkshänder) führen so zu einer Störung oder Blockierung dieser synaptischen Verschaltungen im Corpus callosum.

Das Haltungssystem fügt die bisherigen abgespeicherten Informationen des Sehsystems und auch der anderen Rezeptoren (Füße; stomatognathe System, etc.) in das bestehende Haltungs- (Körper-) schema ein und kann sich dadurch selbst regulieren.

Liegt jedoch ein Fehler z.B. latentes Schielen vor (asymmetrische Konvergenz des Augenrezeptor), wird sich das Haltungssystem innerhalb der durch den Augenfehler bedingten Fehlhaltung in seiner Gesamtheit anpassen, aber diesen Fehler selbst nie korrigieren können. Das bedeutet, ein Augenfehler oder ein anderer Rezeptorfehler (Füße, stomatognathes System) korrigiert sich nie von alleine. Er (sie) bleibt(bleiben) ein Leben lang bestehen, wenn er(sie) nicht korrigiert wird (werden). Nach ca. einem Jahr haben sich die Rezeptorstörungen im Haltungssystem gefestigt (versteift) und werden so zu einer neuen Ursache auf die sich wiederum das gesamte Haltungssystem anpasst. Dies hat Bricot 1986 erstmals beschrieben.

Solange keine zusätzliche Belastung das Haltungssystem stört kann ein oder auch zwei Rezeptorstörungen vom Haltungssystem gut kompensiert werden und es werden keine Beschwerden auftreten.

Deshalb haben betroffene Kinder meistens keine Beschwerden. Wenn aber bei ihnen ein 3. Rezeptor zusätzlich gestört wird, z.B. durch eine Zahnspangenbehandlung, dekompensiert das Haltungssystem und es können Probleme auftreten z.B. nicht selten eine Skoliose, weil die Puffersysteme im Schulter- und Beckenbereich plötzlich versagen. 

Klinisch zeigen sich je nach gestörtem(n) Rezeptor(en) verschiedene Symptome wie Beschwerden und Schmerzen im Kopf, Nacken, Rücken, Gelenk- Meniskusprobleme, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, kognitive Störungen, Phobien, etc.

Die bedeutende funktionelle Rolle der Augen bei Beschwerden im Kopf- und im Bewegungsapparat haben die Chinesen ohne neurophysiologisches Grundlagenwissen schon vor 3000 Jahren erkannt.

Dieses Sinnesorgan wird funktionell dem Leber-Gallenblasen -Funktionskreis zugeordnet. Der Gallenblasenpunkt beginnt am lateralen Augenwinkel und der innere Leberast hat eine Verbindung zu den Augen. Die wichtigsten Punkte bei Augenproblemen und Schmerzen im Kopf- und Bewegungsapparat, bei Schwindel etc. sind Leberpunkte, Punkte auf dem Fußrücken wie Le 2 und 3. Obwohl die Wirkungsweise der Akupunktur neurophysiologisch aufgedeckt werden kann, gilt die Akupunktur in der Medizin immer noch als alternative Behandlungsmethode.

Seit über 20 Jahren ist der Neurowissenschaft die Rolle unserer Augen für das posturale System bekannt.  

Schon 1951 konnte Dr. J.B. Baron,ein französischer Physiologe aus Paris, in einem Tierversuch die Bedeutung der Augenmuskelsymmetrie aufzeigen.

Durch eine Minivibration nur an einem Auge wurde die Spannung des äußeren geraden Augenmuskels nur ganz leicht verändert eines Fisches nur ganz leicht verändert. Dies führte dazu, dass der Fisch zunächst nur noch im Kreis schwamm. Je länger diese Stimulation erfolgte, desto mehr passte sich schließlich auch das gesamte Rückgrat des Fisches auf diesen asymmetrischen Reiz an, in dem es sich zunehmend skoliotisch verformte.

Mit diesem Versuch gelang es ihm zu beweisen, dass schon eine kleine Veränderung der Propriozeption der Augenmuskeln, große Auswirkungen auf die gesamte Körperhaltung hat.

Auch zahlreiche Arbeiten auf dem Gebiet der Neurowissenschaften bestätigen die bedeutende Rolle der Augen (Vierordt 1860, Romberg um 1820, Lacour und Roll 1988/ 89) und der Füße (Bourdiol 1974, Gagey 1988, Roll 1996, 1999 (Posture er Équilibre, Sauramps médical) für unsere Körperhaltung und unser Gleichgewicht.

 
Ende der 80iger hat die portugiesische Neurophysiologin Graciete Serrano, sehr beeindruckend die Bedeutung der Augen auch bei kognitiven Störungen belegen können. Es gelang ihr eine spektakuläre Verbesserung einer schweren Rechtschreibstörung allein durch die Behandlung einer asymmetrischen Augenkonvergenz mit Hilfe von posturalen Prismen, mit denen der portugiesische Augenarzt Orlando Alves Da Silva arbeitete.
2005 konnte Quercia zeigen, dass bei diesen Betroffenen auch immer eine Fehlhaltung bestand.
Das Posturale System spielt also nicht nur für die Haltung und ihr Gleichgewicht eine Rolle, sondern auch für die Position im Raum, Roll (1987) und für die visuelle Wahrnehmung, Quercia (2005).


Schon 1951 entdeckte Dr. med. Paul Nogier das Somatotop am Ohr, eine nicht kortikale nervale Repräsentation des menschlichen Körpers. 43 seiner gefundenen Punkte sind jedoch erst 1990 von der WHO offiziell anerkannt worden. Einer davon ist der sensorielle Augenpunkt auf der Mitte des Lobulus, der bei Augenproblemen, aber auch bei visuell gesteuerten Problemen wie Konzentrationsstörungen, Kinetosen, Gleichgewichtsstörungen, etc. behandelt wird. Schon portugiesische Seefahrer trugen in ihrem Augenpunkt Ohrringe gegen die Seekrankheit.

Auch die motorischen Augenpunkte auf der Rückseite des Ohres werden schon viele Jahre bei Störungen des Bewegungsapparates, z.B. bei Skoliosen oder Gleichgewichts- und Koordinations -störungen akupunktiert.

Als größtes Sinnesorgan unseres Körpers spielt die Haut auch in der Aurikulomedizin eine zentrale Rolle. Sie bedient sich der kutanen Rezeptoren (Exterozeptoren der Haut, vor allem vermutlich der sympathischen interstitiellen Rezeptoren, über die sie auch Informationen aus dem vegetativen Nervensystem erhält zur Diagnostik und Therapie von Funktionsstörungen des Körpers.

1966 entdeckte der französische Arzt Dr. P. Nogier zufällig am Somatotop Ohr, später auch an der Haut, dass die kutanen Exterozeptoren , nur in bestimmten Hautzonen auch auf eine bestimmte Lichtfrequenz reagierten. Er fand dabei 7 Zonen mit jeweils 7 Frequenzen, die auch heute noch die 7 Nogierfrequenzen genannt werden. Diese werden sowohl diagnostisch als auch therapeutisch europaweit eingesetzt.

In den 80iger Jahren konnte sein Sohn, Dr. R. Nogier, tierexperimentell nachweisen, dass eine Stimulation der kutanen Exterozeptoren mit unterschiedlichen Lichtfrequenzen Neurotransmitter wie Acetylcholin, Noradrenalin, etc freisetzt. Dieses hängt von der jeweiligen Stimulationsart ab. Deshalb spricht er von der „ kutanen Photoperzeption“. Die Wirkung dieser Behandlung könnte ebenfalls auf die 1993 entdeckten sympathisch wirkenden interstitiellen Rezeptoren, durch die eine direkte Verbindung zum vegetativen Nervensystem besteht, beruhen.

Seit Ende der 80igerJahre wird diese effektive Technik von Dr. med. R. Nogier persönlich 2 x im Jahr in der GGA der Klinik für Manuelle Therapie in Hamm gelehrt.
Ich selber wende die Aurikulotherapie und- medizin seit 1990 erfolgreich in der Praxis an und verbinde sie seit 2006 auch mit der Posturologie.

Auch Prof. Dr. med. Jean Pierre RollNeurophysiologe aus Marseille hat durch zahlreiche Experimente die bedeutende Rolle der Augen für unsere Körperhaltung in den 80iger Jahren nachweisen können.

Er prägte 1979 den Begriff der visuell- podalen Achse.

Auch Bricot und Fimiani konnten ebenfalls die Bedeutung der Augen für unsere Haltung nachweisen. Sie fanden heraus, dass  Kinder mit Skoliosen fast immer auch eine asymmetrische Augenkonvergenz (Fixierungsproblem) und/ oder eine Heterophorie (Sehachsenfehl -stellung) hatten. (siehe Vorträge von Dr. Fimiani)

Neben der Störungen des beidäugigen Sehens spielen auch Fehlsichtigkeiten (Kurz- bzw. Weitsichtigkeit, etc.) bei Fehl -haltungen eine Rolle.
Je einseitiger und asymmetrischer diese Brechungsfehler sind, desto mehr stören sie das Haltungssystem. Bestehen diese Fehler erst seit kurzem oder sind sie nur gering asymmetrisch, ist ihre Korrektur mit einer Brille unnötig. Denn was dabei wenig bedacht wird, dass sie Ausdruck einer Anpassung an eine andere Rezeptorstörung sind. Hier sollte deshalb in erster Linie nach z.B. Narben (Kinn-, Halsnarbe), einem kranken Zahn, einer kürzlich durchgeführten Zahnsanierung oder einer orthopädischen Einlagenversorgung gefragt werden.

Die Hauptverursacher von Fehlhaltungen bei den Augenrezeptor -störungen sind jedoch Muskelungleichgewichte wie eine Hypoakkomodation und / oder asymmetrische Konvergenz mit einer Heterophorie (Sehachsenfehlstellung).

oben: Konvergenzstörung mit adaptierter Fußfehlstellung           Dies wird seit 1979 als posturales Defizienzsyndrom nach seinem Entdecker, dem portugiesischen Arzt Da Cunha, bezeichnet.

unten: normale Konvergenz

Für Für den Posturologen sind ein proximaler Konvergenzpunkt größer 0 (Nasenwurzel) , vertikale Defekte, Sehachsenfehler größer als 2 Dioptrien pathologisch.


Diese Muskelungleichgewichte  finden in der normalen Praxis keine Beachtung, da sie das Sehen für die Augenärzte an sich nicht oder zu geringfügig beeinträchtigen und sie andere Normwerte zugrunde legen.


In der Bevölkerung finden sich diese Augenfehler nach Bricot bei 31 % mit einer Konvergenzstörung ohne Sehachsenfehler, bei 19% mit einem Sehachsenfehlstellung ohne Konvergenzstörung und bei 35 % mit einer Konvergenzstörung und einer Heterophorie (Sehachsenfehlstellung).

Zu den primären Ursachen, die zu einer Störung des Augenrezeptors führen, zählen nach Bricot neben angeborenen oder vererbten Störungen, Schädeltraumata, HWS-Schleudertraumata, Commotio, Epilepsie, Meningitis, Enzephalitis, Fieberkrämpfe, etc. Diese Erkrankungen oder Verletzungen irritieren die okulo-zephalen Bahnen , d.h.

1. die kurzen (segmentalen) Bahnenwodurch sich die Nackenmuskeln auf der Seite des hypokonvergenten Auges oder die ganzen Nacken -muskeln bei einer beidseitigen Augenmuskelstörung verspannen, bzw. blockieren. Dies führt dann zu einer Verlagerung des Kopfposition entsprechend nach hinten, zur Seite und / oder zur Drehung des Kopfes zur Gegenseite.

2. die langen (suprasegmentalen) Bahnen. Hierbei kommt es zu einer Irritation des Colliculus superior (Augenmuskelkerne) und zu einer Blockierung der Komissurenbahnen, des Corpus callosum (Brücke) auf der Seite der Händigkeit (Lateralität). Klinisch erkennt man das dann an dem Schultertiefstand auf der Seite der Händigkeit (Lateralität), d.h. beim Rechtshänder ist die rechte Schulter tief, beim Linkshänder umgekehrt. Das Führungsauge selbst funktioniert hier sehr gut.

linkes Bild : Rechtshänderin mit Seitneigung des Kopfes nach rechts und Linksrotation des Kopfes, Schultertiefstand mit Rechtsrotation

rechtes Bild: Konvergenzstörung linkes Auge

Zu den sekundären Ursachen, die eine Augenrezeptorstörung auslösen, um auch hierzu einige zu nennen, zählen nach Bricot z.B. eine früher durchgemachte Hepatitis. Hierbei findet man meist den rechten Augenrezeptor gestört. Von Seiten des Zahn- Kieferapparates können Zahnherde, Früh- oder Vorkontakte, seitliche Kreuzbisse (durch die Verlagerung der Kopfmasse) ebenfalls eine Augenrezeptorstörung auslösen, meist auf der Seite des Zahnprozesses.

Ein kieferorthopädischer Eingriff wie z.B. eine festsitzende Zahnspange führt über die oben genannten Mechanismen ebenfalls zu einer Augenrezeptorstörung, meist jedoch auf beiden Augen (siehe Zähne-Kiefer).

Auch eine Schuherhöhung von wenigen Millimetern aufgrund des Verdachtes auf eine echte Beinverkürzung kann eine Augen -rezeptorstörung und infolge dessen eine Fehlhaltung auslösen oder verstärken.

Nicht selten handelt es sich hierbei meist um eine funktionelle Beinlängendifferenz, die durch die Anpassung an einen Augen- bzw. Fußfehlers entstanden ist.

Jeder auf asymmetrischer Art und Weise ungeregelte Rezeptor wie eine Augenfehlstellung, ein überkreuzter Biss oder eine seitliche Narbe verursacht so einen Schulter- und Beckenschiefstand mit Drehung. Die z.B. dadurch bedingten Wirbelblockierungen immer wieder an den gleichen Wirbeln (Rezidive trotz Manipulationen) sind nichts anderes als die Folgen der asymmetrischen Gleichgewichtsstörung der Muskelketten.

Die Anpassung der Wirbelsäule finden wir vor allem bei älteren bzw. unbeweglicheren Patienten.
Bei jungen oder hypermobilen Patienten finden sich statt der Blockierungen eher eine Wirbelsäulenseitausbiegung als Anpassungs -reaktion.

Gerade diese mangelnden bzw. fehlenden Kenntnisse über  diese wirklichen Zusammenhänge sind nicht selten der Grund, das eine falsch indizierte Schuherhöhung oder eine fest sitzende Zahnspange fatale Folgen für das gesamte Haltungssystem nach sich ziehen. Bricot und Fimiani sehen darin die wirklichen Gründe für die Entstehung oder die Verstärkung von Skoliosen. (siehe nachfolgende Bilder und unter Vorträge von Dr. Fimiani)

Aufgrund unserer überwiegend sitzenden Lebensweise, durch die in den letzten Jahren zunehmende Bildschirmarbeit, durch Übermüdung, Krankheit, Stress, Vergiftung, Medikamente wie Antidepressiva oder auch anderer Faktoren können sich diese Augenfehler auf Dauer verstärken, da unser Gehirn schlicht und einfach überfordert ist, diese Muskelungleichgewichte immer wieder auszugleichen. 

Die Betroffenen klagen dann z.B. über das Auftreten von Doppelbildern, Kopf-, Augenschmerzen oder Konzentra -tionsstörungen oder über ein plötzliches Auftreten einer Fehlsichtigkeit wie z.B. Weitsichtigkeit. Diese wird dann meist mit einer Brille behandelt.

Diese neurophysiologischen Zusammenhänge erklären, warum Störungen des Augenrezeptors zu Störungen im stomatognathen Systems führen können oder umgekehrt. Oder/ und eine Kopffehlhaltung bzw. ein Schulterschiefstand auch schon bei Säuglingen aufgrund einer propriozeptive Unreife (mangelnde Ausbildung der Kopfstellreflexe, persisiterende Muskeleigenreflexe über den normalen Entwicklungszeitraum wie der rückwärtige Tonische Labyrinth- oder der Tonische Nackenreflex) können Ursache oder Folge einer Augenrezeptorstörung sein. Diese Anpassungsstörungen wachsen sich nicht aus, sondern bleiben ein leben lang bestehen und integrieren sich so in das Haltungsschema des Kindes bzw. Erwachsenen. Dies kann zu Anpassungsstörungen der Füße und sogar zu einer Skoliose führen.

Sicherlich wären auch Sie nie auf Idee gekommen eine gestörte Koordination Ihrer Augenmuskeln als Verursacher auch von Problemen in Ihrer Wahrnehmung wie Konzentrationsstörungen, Ängste, Ungeschicklichkeit, schlechte schulische oder sportliche Leistungen, Schwindel, etc. gesehen, oder?

In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall, da sich mit den Jahren, infolge der Anpassung der Kopf- und Körperhaltung, der Füße, der Zahnstellung, an diese Augenfehler, die Anzahl der Störeinflüsse im Haltungssystem mit der Zeit erhöhtund aufgrund erneuter Anpassungen die Fehlhaltung weiter verstärkt.  

In diesem Zusammenhang möchte ich zum Abschluss dieses Kapitels den immer stärker werdenden psychischen Stress, den wir uns privat und beruflich permanent aussetzen, erwähnen.

Häufig zeigt sich das "am Zähne zusammen beißen" oder im nächtlichen Zähneknirschen.

Clenching (Zähne zusammen beißen) und/ oder Bruxismus (Zähneknirschen), die oft auch leider schon bei unseren Kindern auftreten, lösen ebenfalls über die okulo- zephalen Bahnen eine Störung des Augenrezeptors,  meist auf beiden Augen aus.

Diese psychischen Stresskomponenten sind nicht selten der Grund, weshalb z.B. die  Augentherapie oft erfolglos bleibt. 

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

bei folgenden Beschwerden sollten Sie an eine Störung des Augenrezeptors denken:

Migräne, Spannungskopfschmerzen, atypischer Gesichtsschmerz, HWS-Syndrom, Schulter-Arm-Syndrom, Epikondilitis, Karpaltunnel, Rhizarthrose, Wirbelsäulenbeschwerden, rezidivierende Blockierungen, Beinlängendifferenz, Skoliosen, asymmetrischen Beinachsen bzw. Knickfüße, Meniskusschäden, Bandscheibenprozessen, etc.

Besonders aber, wenn Ihre Patienten Probleme in der Wahrnehmung und bei visuell beeinflussten Bewegungen haben wie Koordinationsstörungen, Stand- und Gangunsicherheit, Unsicherheit in der Dämmerung (Autofahren), häufige Unfallneigung im Haushalt oder Verkehr, Platz-, Höhen-, Flugangst, Kinetosen (Seekrankheit, Reiseübelkeit), idiopathischer Schwindel , Konzentrationsstörungen, Recht-Schreibschwäche, rasches Ermüden oder Einschlafneigung bei PC-Arbeiten und/oder längerem Lesen, Sekundenschlaf, etc., sollten Sie immer eine Augenrezeptorstörung ausschließen.                       

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                                                                                   Patienten-Information   

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