Die Rolle unseres Zahn-Kieferapparates für das Haltungssystem
Nach dem heutigen Wissenstand der Neurophysiologie ist es nicht mehr richtig, nur von dem Zahn- Kieferapparat zu sprechen.
Vielmehr handelt es sich hierbei ebenfalls um ein Regulationssystem, das funktionell nicht nur den Aufbiss und die Kiefergelenksstellung reguliert, sondern auch an der Atmung, dem Schluckakt, der Phonation (Stimmgebung) und der Artikulation (Sprechen) maßgeblich beteiligt ist. Deshalb wird dieses System auch stomatognathes System genannt.
Das stomatognathe System verbindet die vorderen und hinteren Muskelketten miteinander und steht so über das spinale Nervensystem mit den anderen Sinnesorganen des Haltungssystems in Wechselwirkung.
Deshalb können schon kleinste Veränderungen
in diesem komplizierten Zusammenspiel von Zähnen, Muskeln und Gelenken Muskelungleichge- wichte auslösen.
Über die Hyoid- (Zungenbein) muskulatur besteht ein funktioneller Zusammenhang mit dem Schluckakt, der Zunge, der Atmung, dem Kehlkopf und den Augen.
Über den Hyoidmuskel (Zungenbeinmuskel) ist das Zungenbein ebenfalls mit dem Schulterblatt und über die Halsmuskeln mit dem Schädel und dem Unterkiefer verbunden,siehe
nachfolgendes Bild.
Früher hatte das Hyoid (Zungenbein) eine reine „hängende Stellung“.
Es ist ein Überbleibsel des Greiforgans des Säugetieres. Um den Kopf im Stand vertikal stabilisieren zu können, musste der Kauapparat
seine Greiffunktion aufgeben.
Durch unsere Zweifüßigkeit wurde das Hyoid zum Schaltknochen der vorderen Muskelketten. siehe Bild.
Das stomatognathe System stellt auch eine anatomische und funktionelle Einheit im Hinblick auf die primitiven bzw. angeborenen Reflexe (Saugen, Schlucken, Kauen, Atmung) und der später der Kommunikation dar. Es zählt neurophysiologisch zum kranialen Nervensystem, da es nur von Hirnnerven innerviert wird.
Die einfachen monosynaptischen Reflexe des stomatognathen Systems sind die ersten, die in der Ontogenese entstehen, und die in den motorischen Grundprogrammen des sensomotorischen Kortex abgespeichert bzw. engrammiert sind.
Experimentell konnte nachgewiesen werden, dass schon ab der 7.Schwangerschaftswoche eine leichte bukkale Stimulation eine kontralaterale Kopfrotation auslösen kann.
Aufgrund dieser primitiven propriozeptiven Funktionen ist dieser Rezeptor von Anfang an ein wichtiger Bestandteil für die normale Entwicklung unseres posturalen Systems.
Denn jede Änderung unseres Kauzyklus wird ebenfalls von Anfang an engrammiert d.h. abgespeichert. Das stomatognathe System kann sich entweder auf Störungen des Haltungssystems anpassen oder selbst Störungen verursachen.
Störungen im stomatognathen System können unser Haltungs- system über vier verschiedene Verbindungen dekompensieren:
1. über die Muskeln z.B. Clenching, Bruxismus, Zungenfunktionsstörungen, etc.
2. über die Augenmotorik d.h. über den Fasciculus longitudinalis medialis,der die Augenmuskelkerne
mit den Vestibularis- und Halsmuskelkernen (XI. Hirnnerv , dem N.accessorius) verbindet und so die Stellung und Bewegungen der Augen, des Kopfes und der Körperhaltung koordiniert
3. über den Schädel
4. über die supra-segmentalen Bahnen (z.B. Zahnherde, etc.)
Ab ca. der 6. Lebenswoche lernen wir als Säuglinge normalerweise langsam unseren Kopf gegen die Schwerkraft an zu heben und ihn zunehmend auch im Gleichgewicht zu halten.
Diese
Fähigkeit ist in diesem Alter von der Reife unseres visuellen Systems, den Augen und der Nackenmuskulatur abhängig.
Unsere Nacken- , vorderen Halsmuskeln und Kaumuskeln müssen nicht nur den Kopf sondern auch unseren Unterkiefer bei der Kopfstabilisierung permanent gegen die Schwerkraft
halten. Aus diesem Grund wird die Unterkieferstellung von der Kopfhaltung beeinflusst und umge- kehrt.
Bei vorübergehenden Bewegungen ist dies zum Glück kein Problem: Wenn wir essen können wir selbstverständlich den Kopf halten und bewegen, ohne dass dies dramatische Auswirkungen hat. Denn unser Haltungssystem ist für solche vorübergehende Anpassungen in geradezu genialer Weise ausgelegt.
Nach Bricot stört bei 85 % der Bevölkerung das Haltungssystem das stomatognathe System z.B. Konvergenzfehler, Fußfehler etc. und nur bei ca. 15 % gehen die Störungen vom Zahn- Kieferapparat selbst aus. (Zungenfunktionsstörungen, Vorkontakt, Bruxismus, Zahnfehlstellung, etc.)
Änderung der Okklusion (Bissklasse III) nur durch Behandlung der Störungen des Augen-und Fußrezeptor vor, während und nach 1 Jahr Therapie
Besteht z.B. eine Hypokonvergenz eines Auges, so führt das über die Anpassung der Nackenmuskulatur zu asymmetrischen Muskelverspann- ung, welche eine Seitneigung und Rotation des Kopfes auslöst. Der Schwerkraft des Kopfes folgend muss sich das stomatognathe System anpassen und entwickelt so einen Fehlbiß.
Würde man in dieser Situation nur den Fehlbiß behandeln, behandelte man zwar das Symptom, aber nicht die eigentliche Ursache. Für die Störung des Haltungssystem hätte diese Symptombehandlung meist weitere negative Konsequenzen wie weitere Rezeptorstörungen der Augen, der Füße, etc. mit ihren Folgen für die Körperhaltung.
Auch auf eine primäre Rezeptorstörung der Füße passt sich das stomatognathe System. Hier finden wir meist die Anpassungen in der Sagittalebene, in Form eines Überbisses (Bissklasse II) bei einer Schwerpunktverlagerung der Kopf/ Körperachse nach vorne oder eines Kopfbisses oder eines umgekehrten Überbisses ( Bissklasse III) bei einer Schwerpunktverlagerung nach hinten. (siehe Bilder am Ende dieses Kapitels).
Der Augenrezeptor kann sich aber auch auf eine Fußrezeptorstörung und/ oder auf eine Hautrezeptorstörung (Narbe), oder auf psychischen Streß anpassen und darüber das stomatognathe System stören.
Diese Zusammenhänge zu kennen sollte aus den oben aufgeführ- ten Beispielen auch für unsere zahnärztlichen bzw. kiefer- orthopädisch arbeitenden Kollegen von Interesse sein.
Kommen wir nun zum stomatognathen System und seinen Störungen selbst.
Unsere Zähne besitzen einen sehr sensiblen Tastsinn. Dieser steuert über das Kauen die gesamte Muskulatur von Kiefer, Hals, Gesicht und Nacken. Im gesunden Gebiss berühren sich bei entspannt geschlossenen Mund die Zähne des Ober- und Unterkiefers nicht. Dadurch wird das Gleichgewicht der Kau-, Kopf- und Nackenmuskulatur gewährleistet. Nur beim Schlucken haben die Zähne miteinander Kontakt. Sie berühren sich dabei ca. 1500 mal am Tag. Beim Schlucken versuchen die Kaumuskeln die Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer auf beiden Seiten aufeinander zu bringen.
Für einen entspannten Mundschluss sorgen unsere beiden großen Kaumuskeln = Muskulus masseter, die Schläfenmuskeln = Muskulus temporalis und die inneren Flügelmuskeln (Pterygoideus medialis).
Bei einem fehlenden Seitenzahnkontakt sind die Kaumuskeln reflektorisch gezwungen, diesen Unterschied durch einen erhöhten Kraftaufwand auszugleichen. Dies hat eine vermehrte Belastung der Kiefergelenke zur Folge.
Besteht dieser Fehlkontakt eher einseitig, so führt dies zu einem Ungleichgewicht der Kaumuskeln zwischen rechter und linker Seite. In diesem Fall kommt es dann zu einer einseitigen Fehlbelastung der Kiefergelenke. Neben dem Fehlbiß im Seitenzahnbereich führen auch andere Zahnfehlstellungen zu einer ungleichmäßigen Muskelbeanspruch- ung der Kau-und Kiefermuskulatur.
Hierzu zählen ein falscher oder unregelmäßiger
Aufbiss zwischen den Zähnen im Ober- und Unterkiefer z.B. durch zu hohe Füllungen oder Kronen oder auch zu eng oder zu weit stehende Zähne.
Wie auch bei den anderen Rezeptoren sind die extero- und propriozeptiven Fähigkeiten der Kopfkontrolle und des stomato- gnathen System in den motorischen Grundprogrammen in unserem Gehirn abgespeichert.
Die
normale Entwicklung der Primärfunktionen (Atmen, Saugen, Kauen und Schlucken) und der Sekundärfunktionen (Artikulation und Stimmgebung), aber auch unsere motorischen Fähigkeiten unserer Hände finden im Säuglingsalter statt.
Unsere Zunge liegt in Ruhelage normalerweise vorne am oberen Gaumen und ermöglicht uns dadurch eine freie Atmung. Sie verbindet ebenfalls die vorderen mit den hinteren Muskelketten miteinander.
Die Zungenbewegung hat keine tonische und propriozeptive
Fähigkeiten, sondern sie wird direkt vom XII. Hirnnerv = N. hypoglossus gesteuert.
Der Nervus hypoglossus innerviert die Zungenmuskulatur und hat daher nur einen einzigen Kern, und zwar den langen Nucleus nervi hypoglossi, der in der hinteren Medulla oblongata liegt. Dieser Kern erhält zahlreiche Afferenzen sowohl von der Großhirnrinde als auch von der Formatio retikularis, weshalb man ihn zu den verschiedenen Reflexbögen (Kauen, Schlucken) zählt.
Wie auch bei den anderen Rezeptoren sind auch die Funktionen des stomatognathen System in den motorischen Grundprogram -men in unserem
Gehirn abgespeichert. Die normale Entwicklung der Primärfunktionen (Atmen, Saugen,
Kauen und Schlucken) und der Sekundärfunktionen (Artikulation und Stimmgebung), aber auch unsere motorischen Fähigkeiten unserer Hände finden im Säuglingsalter statt.
Unsere Zunge liegt in Ruhelage normalerweise vorne am oberen Gaumen und ermöglicht uns dadurch eine freie Atmung. Sie verbindet ebenfalls die vorderen mit den hinteren Muskelketten miteinander.
Die Zungenbewegung hat keine tonische und propriozeptive
Fähigkeiten, sondern sie wird direkt vom XII. Hirnnerv = N. hypoglossus gesteuert.
Der Nervus hypoglossus innerviert die Zungenmuskulatur und hat daher nur einen einzigen Kern, und zwar den langen Nucleus nervi hypoglossi, der in der hinteren Medulla oblongata liegt. Dieser Kern erhält zahlreiche Afferenzen sowohl von der Großhirnrinde als auch von der Formatio retikularis, weshalb man ihn zu den verschiedenen Reflexbögen (Kauen, Schlucken) zählt.
asymmetrische Valgusfüße, Konvergenzstörung linkes Auge, offener Biss mit Zungenfehllage
Die spätere Form unserer Zahnreihen wird vor allem von dem Muskelgleichgewicht zwischen der Zungen- Lippen - und Wangenmuskulatur bestimmt. Dabei sollten die äußeren und inneren Muskelkräfte ausgewogen sein.
Die Formatio retikularis ist für diese Motorik ein wichtiges System aus Fasern und Nervenzellen und liegt im Hirnstamm.
Bei zu starkem Zungendruck- oder Zungenpressen (Zungenfunktions -störung), zu schwachen Lippen können die oberen Frontzähne nach vorne wandern, wodurch es zu einer Schwerpunktverlagerung des Kopfes nach vorne kommt.
Auch
seitlich fehlende Zähne können über Funktionsstörungen der Zungenmuskulatur den Kauvorgang und den Aufbiss empfindlich stören.
Die Zunge schiebt sich in diesen Fällen zwischen die Zahnlücken, wodurch zunächst ein seitliches Ungleichgewicht in den vorderen Muskelketten des Zungenbeines verursacht wird.
Verbleiben diese Zahnlücken jedoch länger, so stellen sich die Nachbarzähne allmählich
schräg, um die Lücken zu schließen. Auch dieses beeinträchtigt durch die einseitigen Muskelbeanspruchungen ebenfalls den Aufbiss und den Kauzyklus.
Es gibt noch eine Reihe weiterer Ursachen für eine Schwerpunktver- lagerung des Kopfes nach vorne, z.B. eine falsche Mundatmung aufgrund z.B. von Infekten ( verstopfte Nase)
Um besser atmen zu können, legt der Mundatmer,
den Kopf in den Nacken.
Damit er seine Augenebene jedoch horizontal ausrichten kann, muss er den Kopf über die obere Nackenmuskulatur vorbeugen. Dieses wiederum muss von der unteren Nackenmuskulatur ausgeglichen werden und führt so ebenfalls zu einer Verlagerung des Kopfes nach vorne, siehe Bild Klasse II/ 1.
Auch langes Daumenlutschen drückt den Unterkiefer nach hinten und führt so zu einem offenen Biss (Bissklasse II/1).
Da die Maxilla (Oberkiefer) Bestandteil der Ossa temporalia (Schädel) ist,
kann eine Störung im stomatognathen System die Schädelsymmetrie stören.
Aus diesem Grund kann jahrlanges Daumenlutschen über die asymmetrischen Verformungen der Knochen und Weichteile auch z.B. zu einem einseitigen Kreuzbiss führen, oder ein Vor- bzw. Frühkontakt meist beim Erwachsenen auf der rechten Seite z.B. eine Verdrehung der Maxilla auf der rechten Seite um ihre
sagittale Achse nach kranial verursachen.
Klinisch wirkt die Orbita- (Augen) höhle und das Auge auf der betroffenen Seite kleiner, bzw. sie steht auf dieser Seite im Vergleich zum Auge der Gegenseite höher , d.h. man findet in diesem Fall keine gerade Bipular- (Pupillen) linie mehr vor.
Dies lässt sich neurophysiologisch so erklären:
Der Nervus trigeminus entspringt in der Mitte der Brücke. Er besteht aus einer motorischen Wurzel für die Kaumuskulatur und einer sensiblen Wurzel für die Sensibilität im Gesichtsbereich.
Jede Wurzel besitzt einen eigenen Kernbereich. Die motorische Wurzel entspringt aus dem Nucleus motorius nervi trigemini, der sich in Höhe der oberen Pons (Brücke) befindet.
Die sensible Wurzel enthält Fasern für die Exterozeption und Propriozeption, die in einem langen Kerngebiet enden, das sich vom Mittelhirn über die Pons bis ins Rückenmark erstreckt. Die Efferenzen dieser Kerne schließen sich den entsprechenden Bahnen aus dem Rückenmark an.
Über diese Kerngebiete werden
die Colliculi superiores (obere Hügel) im Hirnstamm irritiert.
Die Colliculi superiores sind optische Reflexzentren, die die Augenbewegungen auf die Kopfbewegungen (Sakkaden), die Körperhaltung, auf optische und akustische Reize und auf die jeweilig erforderliche Situation abstimmen.
Die
oberen Hügel erhalten zusätzlich Zuflüsse aus dem lateralen Kniehöcker (Sehbahn), aus dem Kortex, aus dem Rückenmark und den Colliculi inferiores. Letztere sind ein Teil der Hörbahn, dessen Fasern zum größeren Teil gekreuzt, zum Teil auch ungekreuzt, verlaufen.
Efferent sind die Colliculi superiores (obere Hügel) mit den Kernen der 3 okulomotorischen Hirnnerven (III, IV, VI), der Formatio reticularis und dem Rückenmark verbunden.
Über die Verschaltungen des Trigeminus mit dem XI. Hirnnerv ( N. accessorius = Schulterheber und Kopfdreher), kommt es dann zu asymmetrischen Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur.
Der Nervus accessorius (XI) wirkt rein motorisch und innerviert die Muskuli sternocleidomastoidei und Muskuli trapezii. Deshalb besitzt er nur einen einzigen Kern, den Nucleus spinalis nervi accessorii, der im Vorderhorn des Rückenmarks liegt (von C1 bis C5).
Ist also durch jahrelanges Daumenlutschen ein Kreuzbiss entstand- en oder liegt beim Erwachsenen ein Vor- bzw. Frühkontakt vor, führen diese über die nervalen Verschaltung des Trigeminus mit dem XI. Hirnnerv ( N. accessorius = Schulterheber und Kopfdreher) zu asymmetrischen Verspannungen der Schulter- Nackenmuskeln. Die Verbindung des XI. Hirnnerves mit der okulozephalen Bahn, dem Fasciculus longitudinalis medialis, führt dadurch zu einer Irritation der Augenmuskelkerne, wodurch eine Augenrezeptorstörung aus gelöst oder verstärkt wird.
Jeder
Vorkontakt kann starke Kräfte genau auf einen Punkt konzentrieren. Solche fortwährend wirkenden Kräfte können das Wurzelgewebe nachhaltig schädigen und sogar Frakturen an Zähnen hervorrufen.
Um derartige Belastungen auszugleichen, schieben die Muskeln unbewusst und automatisch den Unterkiefer in eine Lage, die mehr okklusale Kontakte aufweist und somit den Kaudruck gleichmäßiger verteilt.
Diese scheinbar bessere, jedoch grundsätzlich unphysiologische
okklusale Lage bringt zunächst einmal Vorteile für die Zähne, jedoch große Nachteile für die Kaumuskulatur und Kiefergelenke, die fortwährend stärker als erforderlich beansprucht werden.
Diese Zahnkontakte kann man mit Zuhilfenahme eines Aqualizer diagnostizieren.
Durch das Wasserpolster des Aqualizer lassen sich diese Kontakte kompensieren.Denn durch seine optimierte anatomische Form, passt sich der Aqualizer beim Tragen dem Zahnbogen an.
Während des Tragens reduziert sich die Füllmenge des Wassers, bis der Aqualizer an einer bestimmten
Stelle durchgebissen wird.
Diese Stelle entspricht meistens den sogenannten Frühkontakten der Zähne. Dieser Vorgang kann bei Beanspruchung durch die Kaukraft 1-3 Wochen betragen.
Mangelnde Zahn- und Mundhygiene, fehlende Zähne, zu niedrige oder zu hohe Füllungen oder Kronen können ebenfalls die Trigeminusfasern irritieren und ereichen über die supra - segmentalen Bahnen (lange Schleife) zum Teil das sympathische Ganglion stellatum und teilweise wieder über das mediale Längsband die Augenmuskel -kerne.
Bei einem fehlenden Seitenzahnkontakt sind die Kaumuskeln reflektorisch gezwungen, diesen Unterschied durch einen erhöhten Kraftaufwand auszugleichen. Dies hat eine vermehrte Belastung der Kiefergelenke zur Folge.
Zahnfehlstellungen, Zahnlücken oder fehlerhafter Zahnersatz können Probleme im Kiefergelenk verursachen. (siehe Vortrag von Dr. med. dent Burk : Zähne zeigen)
Weitere nicht zu vergessene Verursacher, die zu einer Schwerpunkt -verlagerung des Kopfes nach vorne führen, sind das Clenching (Zähne zusammenbeißen) und der Bruxismus
(nächtliches Zähneknirschen) durch die dadurch auftretenden abnormal großen Muskelkräfte, die auf die Zähne einwirken.
Das Clenching führt auf Dauer zu einer Überlastung der Kau-, Hyoid– und Nackenmuskulatur, da durch das „Zähne zusammenbeißen“ der Kopf über die Muskeln nach vorne und unten gezogen wird. Damit aber der Betroffene seine Augenebene wieder horizontal ausrichten kann, muss er den Kopf mit der Nackenmuskulatur ständig wieder aufrichten.
Im Unterschied zum Zähnepressen kommt es beim Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen) häufig zusätzlich zu einem Abrieb der Zähne.
Dies hat auf Dauer einen Verlust der vertikalen Dimension (Bisshöhe) zur Folge. Dadurch kann ein Fehlbiss (Bissklasse II/ 1 = Überbiß oder offener Biß) und eine Verlagerung des Kopfes nach vorne verursacht werden, was weitere Anpassungen im Haltungssystem zur Folge hat.
Auf Dauer führt dies zu einer Teilverschiebung der Knorpelscheibe der Kiefergelenke nach vorne und kann so bei der Mundöffnung ein Knackgeräusch auslösen.
Deshalb sollten diese meist emotional verursachten Störungen von Beginn der posturologischen Therapie an diagnostiziert und sofort mit behandelt werden. (siehe Button Therapie Zähne-Kiefer)
In all diesen beschriebenen Situationen liegt als der Schwerpunkt des Kopfes liegt nicht mehr über, sondern vor der Wirbelsäule.
Neben Zahn- und Kiefergelenksschäden verstärken diese emotional bedingten Störungen nicht selten
Fehlhaltungen mit entsprechenden Beschwerden wie Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, Schwindel oder Ohrensausen.
Es sind gerade diese unbewussten Automatismen, die in unseren Praxen immer häufiger nachweisbar sind. Sie sind nach Bricot nicht nur für uns Ärzte, sondern auch für die Zahnärzte häufig der Grund für das Versagen von normal üblichen Therapien.
Normalerweise gehen von unseren Kiefergelenken keine Geräusche aus. Aus diesem Grunde ist für den Posturologen jedes Geräusch patholo -gisch. Geräusche können nur beim Öffnungsvorgang, am Anfang, in der Mitte oder am Ende oder nur beim Schließvorgang oder bei beiden Bewegungsvorgängen auftreten. Ein rasch auftretendes Geräusch ist schlechter als ein späteres Geräusch.
Zahnfehlstellungen, Zahnlücken oder fehlerhafter Zahnersatz können Probleme im Kiefergelenk verursachen.( siehe Vortrag von Dr. med. dent Burk : Zähne zeigen)
Auch Zahnherde und/ oder ein Mikrogalvanismus (Mundbatterie), die ebenfalls abnormale Muskelkräfte auslösen, sollten als ursächliche Störfaktoren des stomatognathen Systems mit in Betracht gezogen werden.
Vor der Behandlung eines Früh- oder Vorkontaktes sollte immer erst ein Zähneknirschen und / oder Zähnepressen ausgeschlossen werden, da sonst die Bestimmung einer korrekten bzw. entspannt -en Kieferschlussbisslage für den Zahnarzt fast unmöglich ist.
In all diesen beschriebenen Situationen liegt als der Schwerpunkt des Kopfes liegt nicht mehr über, sondern vor der Wirbelsäule. Um den Kopf in dieser Stellung zu halten, muss sich die Nackenmuskulatur umso mehr an der Haltung des Kopfes beteiligen, je weiter dessen Schwerpunkt vor der Wirbelsäule liegt.
Mit den Jahren wird durch diese Haltung die Kopfbeweglichkeit des Patienten mehr und mehr eingeschränkt, die Nackenmuskeln ermüden schnell, und bereits kleine Reize, die normalerweise kein Problem darstellen, wie etwas Zugluft, lösen dann Nackenschmerzen aus.
Wird dieser Zustand chronisch so wird die Nackenmuskulatur härter, unbeweglicher, weniger gut durchblutet und faseriger, sie „verhärtet“.
Hinzu kommt noch ein erheblicher Verschleiß in der HWS, der dann zwar häufig diagnostiziert, nicht jedoch erklärt werden kann.
Tritt dieser Zustand bereits im Kindesalter auf, so wird dieses die gesamte Körperhaltung beeinflussen.
In der täglichen Praxis sehen wir dann Kinder mit einem „fliehenden Kinn“ d. h. einem Überbiss oder offenen Biss ( Bissklasse II), zusammen mit einer Verlagerung des Kopfes nach vorne und einen flachen Rücken, der als Kompensationsmechanismus auf die Verlagerung des Körperschwer- punktes nach vorne entstanden ist.
Eine Kopffehlhaltung geht meist von den vorderen Halsmuskeln aus. Diese Fehlhaltungen können durch eine falsche kieferorthopädische Behandlung, einen schlechten Zahnersatz und durch angeborene Zahnfehlstellungen verursacht werden.
In diesem Zusammenhang möchte ich die Gefahr einer kiefer -orthopädischen Behandlung für unser Haltungssystem aufzeigen.
Eine festsitzende Zahnspange verspannt bzw. blockiert durch ihren ständigen starken Zug an den Zähnen reflektorisch die Nackenmuskulatur. Dies löst eine Irritation wichtiger Nervenstrukturen wie den Trigeminus- fasern und Teile des oberen Rückenmarks aus. Dies hat wie schon oben beschrieben unmittelbar eine Irritation der Augenmuskelkerne und deren höheren Gehirnzentren zur Folge.
Dadurch geraten die Augenmuskeln in ein Ungleichgewicht oder ein schon bestehendes Ungleichgewicht verstärkt sich und führt auf diese Weise zu einer Fehlhaltung oder zu einer Verstärkung einer schon bestehenden Fehlhaltung. siehe nachfolgendes Beispiel:
Bilder: Konvergenzstörung rechtes Auge, kieferorthopädische Versorgung einer Bissklasse II/1, asymmetrische Fußrezeptoranpassung und Fehlhaltung in Form einer Skoliose
Jeder Zug an den Zähnen kann somit gravierende Anpassungs- störungen des Haltungssystems verursachen.
Eine Studie von Dr. Demauroy, einem französischem Arzt, an 2000 Kindern mit einer Skoliose (seitliche Wirbelsäulenverkrümmung), davon 600 mit Korsett konnte das belegen. 60 % dieser Kinder hatten oder haben eine Zahnspange.
Klinisch zeigte sich meist einen Monat nach Beginn einer solchen Behandlung eine Skoliose.
Für Bricot haben Kinder mit Zahnspangen ein posturologisches Problem.
Rechtzeitige posturologische Behandlung von Jugendlichen noch im Wachstum (bis ca. zum 17. Lebensjahr) kann lebenslange Folgeprobleme z.B. die Entwicklung einer Skoliose vermeiden helfen, weil vieles in diesem Alter noch ganz ausheilen kann!
Aber auch eine nicht behandelte Halsnarbe bzw. ein nicht korrigierter Augen- und/oder Fußfehler kann eine effektive Zahnbehandlung unmöglich machen.
Diese Zusammenhänge sind bisher noch recht wenig bekannt und sollten im Interesse unserer Kinder immer mitberücksichtigt werden.
Aus diesen Gründen rät Prof. Bricot eher zu einer funktionellen Schienen -behandlung . Der Zahnarzt sollte in dieser Zeit mit einem posturo -logisch versierten Therapeuten eng zusammenarbeiten, um so Haltungsfehlern vorbeugen zu können. (siehe Button zusätzliche Therapien)
Da alle Muskelketten an den Füßen beginnen und enden steht der Zahn- Kieferapparat besonders mit den Augen und den Füßen in wechselseitiger Beziehung.
Nachfolgende Abbildungen zeigen verschiedene Körperhaltungen als Anpassung an den jeweiligen Fehlbiss.