Welche Rolle spielen unsere Füße in diesem System?
An unseren Fußohlen und Zehen finden sich zahlreiche Wahrnehmungs -fühler in unterschiedlich verteilter Dichte wie Druck-, Vibrations-, Druck-, Tastfühler etc. Auch zahlreiche Wahrnehmungsfühler in den Muskeln, Sehnen und Sprunggelenken haben wir an unseren Füßen.
Allein 30 kurze Fußmuskeln befinden sich am Fußskelett. Die langen Fußmuskeln dagegen liegen am Unterschenkel. Die Unterschenkel -muskulatur wird dennoch zur Fußmuskulatur gezählt, weil sie am Fuß-skelett ansetzt.
Für die normale Entwicklung unserer Füße brauchen auch sie wie die anderen Rezeptoren, Augen, sotmatognathes System, Haut, etc. Informationen und Training, damit sich ihre Extero- und Propriozeptoren entwickeln können.
Als Säuglinge sind diese Fähigkeiten noch sehr unreif, weshalb sie kleine „ Schein-Plattfüße“ haben.
Im Laufe der ersten 6 Lebensjahre verfeinern wir diese Fähigkeiten zunehmend durch Trainig wie Krabbeln, Laufen lernen, etc. , so dass wir bis zur Einschulung normalerweise symmetrische Knick-Platt bzw. Knick-Senkfüße aufweisen.
Der Grund dafür liegt vor allem in den noch relativ unreifen Mechanorezeptoren in der Rücken- und Beckenmuskulatur, was man an dem noch nach vorne gekippten Becken und der dadurch nach innen gedrehten Beinachsen (symmetrische X-Beine) erkennt. ( siehe auch unter Das Haltungssystem)
Um das 11. Lebensjahr sind normalerweise alle unsere extero- und propriozeptiven Fähigkeiten soweit ausgereift , dass wir von nun an eine optimale Körperhaltung und normale Füße haben.
Unsere Füße besitzen nun ein ausgereiftes Quer- und Längsgewölbe, die für ihre einwandfreie Funktion sorgen. Dadurch wird unser Körper -gewicht hauptsächlich über drei Punkte unserer Füße der Ferse, dem Großzehengrundgelenk (Großzehenballen) und dem Kleinzehengrund -gelenk (Kleinzehenballen) getragen.
Bei einer normalen Entwicklung der Füße, d.h. normalen Reife der Extero- und Propriozeptoren der Füße stehen mit ca. 11 Jahren auch unsere beiden Beinachsen gerade, da auch unsere Becken-, Hüft- und Rückenmuskulatur jetzt ausgereift sind.
Durch die ständige Wiederholung unserer Haltungs- und Bewegungs -abläufe durch Trainig etc. während unserer Entwicklung werden diese Haltungs- bzw. Bewegungsstrategien (Informationen) in unser Langzeit - Gedächtnis abgespeichert,
und automatisiert.
Während unseres ganzen Lebens greift unser Gehirn immer wieder auf diese in der Kindheit gemachten Informationen zurück.
Im Bereich des Längsgewölbes bzw. Innenrandes unserer Füße liegen die Fußsohlen normalerweise bei gesunden Füßen nicht auf. Hierbei handelt es sich um Mechanorezeptoren, die sehr sensibel auf Druck und Vibrationen reagieren. Die Fußsohlenmitte hat die fundamentale Aufgabe die Füße zu stabilisieren. Dafür sorgen an 1. Stelle die in der Plantarfaszie liegenden Pascini-, Meissner-Körperchen und zahlreiche interstitielle Rezeptoren. Hierbei handelt es sich um Mechanorezeptoren, die sehr sensibel auf Druck und Vibrationen reagieren. Jeder zu starke Druck in diesem Bereich durch z.B. orthopädische Einlagen oder durch Fußbetten destabilisieren über die permanente Irritation dieser Rezeptoren die Füße bei Erwachsenen oder führen bei Kindern zu einer deutlich verzögerten Reife dieser Rezeptoren.
Aufgrund dieses Unwissen nach Bricot findet man deshalb klinisch kaum noch Plattfüßchen bei Kleinkindern, sondern vor allem Füße mit einem gestörten Abrollverhalten der Füße (den Zwei- Komponentenfüßen in der Posturologie) bei Kindern und Knickfüße mit einer Varusinstabilität meist bei älteren Kindern und Erwachsenen, manchmal auch beides. Die Anpassungen der Beinachsen und der Körperhaltung sind in diesen Fällen von dem nun vorliegenden Fußtyp abhängig.Das heißt, dass das gesamte Haltungssystem auf diese Fehlinformation (orthopädische Einlage und Fußbett) anpasst und danach sein Haltungsschema ausrichtet. Muß sich das Haltungssystem nur auf diese Rezeptorstörung anpassen, so treten keine Beschwerden auf. Dies ist jedoch selten der Fall. Meist liegen schon weitere Rezeptorstörungen (Augen z.B. Refraktionsstörungen, ungenügende Korrekturen, Anpassungsstörungen der Augen, Zungenfunktionsstörungen,Fehlbiss, Zahnspange) oder andere Belastungen (besonders bei Erwachsenen wie operative Eingriffe,Unfälle wie Distorsionen, etc.) vor, auf die sich das Haltungssystem schon anpassen musste.
Diese Anpassungsfähigkeit der Füße entdeckte Dr. Bricot zufällig bei seinen Forschungsarbeiten über das Verhalten der Füße bei einer bestehenden Fehlhaltung auf einer elektrischen Fußdruckmessplatte (Podometrie).
Die Fußmuskeln sind wie alle Muskeln im Haltungsystem sowohl Rezeptoren als auch Motoren des Haltungssystems.
Wir unterscheiden zwei verschiedene Gruppen von Propriozep- toren: Die eine Gruppe liegt in unseren Sehnen und Aponeurosen (Muskel-Sehnenübergänge) und werden Golgi-Rezeptoren genannt und die andere Gruppe findet sich in unseren Muskeln: die Muskelspindeln.
Durch die vielen kurzen und langen Fußmuskeln besitzen wir zahlreiche neuromuskulären Spindeln, aber auch zahlreiche artikuläre (Gelenk) Rezeptoren vor allem im Bereich des Sprunggelenks. Alles dies macht den Fuß zu einem grundlegenden Bestandteil des Haltungssystems.
1902 war es Sir Charles Scott Sherrington, ein britischer Neurophysiologe, 1857-1952) der als erster vom
„Muskelsinn“ sprach. 1913 verglich er erstmalig unsere aufrechte Haltung mit einem mächtigen und komplexen Reflex. (siehe auch unter Neurophysiologie)
Dieser Reflex ist eine Anpassungsreaktion unseres Körpers auf eine äußere destabilisierende Komponente: der Schwerkraft.
1932 beschrieb er als Erster den Gamma-Motoneuronen- Regelkreises.
Die artikulären Propriozeptoren (Gelenkrezeptoren) lösen wie die Muskelspindeln Reflexbögen aus, die durch die polysynaptischen Eingänge zu einer richtigen Reizung des Gamma-Regelkreises führen können.
Ein traumatisiertes Gelenk oder eine abnormale Gelenkbelastung löst so eine richtige Muskel- bzw. Gelenkblockierung aus, die der Grund für das Auftreten zahlreicher Symptome wie Gelenkversteifung, Bewegungsverlust, Arthroseablagerungen, Krämpfe, Muskelkater, Sehnenentzündungen, Gelenkveränderungen ist.
Auch wenn man durch eine Manipulation diesen Reflexbogen vorübergehend unterbricht, so sind Rezidive vorprogrammiert. Denn meistens handelt es sich hierbei um funktionelle Blockierungen, die mit einer Asymmetrie der Muskelketten zusammenhängen auf dem Boden asymmetrisch arbeitender Rezeptoren.
Ich möchte nun auf einige Pathologien der Füße und ihre Folgen für das Haltungssystem eingehen.
Bei einigen Erkrankungen der Füße (Platt-, Senk-, Spreizfüße) liegt ein Absinken der Fußgewölbe zugrunde.
Liegt eine Fußfehlstellung vor, so führt dies mit der Zeit zu falschen Belastungen sowie zu Überbeanspruchungen der Wirbelkörper, der Bandscheiben und der Gelenke.
Auf den oberen Abbildungen sehen Sie die Folgen von Varusfüßen = Knickfüße nach außen (linkes Bild)) und nach innen = Valgusfüße (rechtes Bild) für die Haltung und infolge dessen für den knöchernen Bewegungsapparat nach Bricot.
Die Füße sind die Kontaktfläche zwischen unserem Körper und dem Boden, auf dem wir stehen und gehen. Sie schicken einerseits Informationen über die Bodenbeschaffenheit und andererseits Informationen von Gleichgewichtsveränderungen unseres Körpers zum Gehirn.
Als letzter Puffer unseres Haltungssystems passen sie sich deshalb an jede Störung in unserem Haltungssystem an, ganz egal welchen Ursprungs, und prägen sich diese nachhaltig ein.
Das Übergewicht, Verletzungen, falsches Schuhwerk ihre Füße belasten, ist Ihnen sicherlich nicht fremd.
Das sich aber Ihre Füße auch auf eine/ oder mehrere Störungen Ihrer Sinnessysteme wie an einen Augenfehler, einen Fehlbiss oder auch an Hautnarben anpassen müssen oder mussten, ist bis heute noch wenig bekannt und wird deshalb therapeutisch normalerweise kaum oder nicht berücksichtigt.
Diese grundlegenden Erkenntnisse über die Anpassungen unserer Füße ist nach Bricot wichtig, damit Sie die verschiedenen, die Füße betreffenden Pathologien (Erkrankungen) besser verstehen lernen. (siehe auch Der Weg zur Therapie)
Unsere bisherigen Vorstellungen über unsere Füße müssen wir nach Bricot grundlegend ändern, denn im Alltag finden wir nicht nur einen, den ursächlichen Fußtyp , sondern immer drei verschiedene Fußtypen nebeneinander vor.
1. ursächliche Füße: Sie verursachen die Haltungsstörung
2. angepasste oder aktiv kompensierende Füße z.B. auf eine obere Störung
3. Mischfüße mit einer ursächlichenund angepassten Komponente
Am häufigsten finden sich in unseren Praxen Mischfüße. Denn die beiden ersten Fußtypen verursachen nach Bricot selten Beschwerden,so dass diese Patienten deshalb auch meist nicht deswegen in unsere Praxen kommen (außer z.B. Sportler, da sie größeren Beanspruch -ungen im Haltungssystems ausgesetzt sind).
Nun möchte ich auf die verschiedenen Anpassungen unserer Füße an eine absteigende Haltungsstörung zu sprechen kommen.
Plattfüße mit einer gleichzeitigen Knickfußstellung nach innen (Pes planus valgus) oder Hohlfüße mit einer gleichzeitigen Knickfuß -stellung nach aussen (Pes cavus varus) werden durch ihre Anpassungen asymmetrisch.
Spreizsenkfüße zeigen als Anpassungsreaktion meist zusätzlich jeweils unterschiedliche Knickfußstellungen.
Bricot nennt diese Fußfehlformen disharmonische Füße, weil sie einen Fuß mit einer Knickfußneigung nach innen (Valgusneigung), der andere eine nach aussen (Varusneigung) aufweist.
Diese Anpassungsstörung findet sich bei 74 % der Bevölker -ung nach Bricot.
84% der asymmetrischen oder disharmonischen Füße werden von der Lateralität (Händigkeit) beeinflusst,was ebenfalls für die Anpassungen der Füße auf obere Störungen im Haltungssystem spricht.
Beim Rechtshänderfindet sich deshalb der Knickfuß nach innen (Valgus) am häufigsten am linken und der Knickfuß nach aussen (Varus) am rechten Fuss.
Beim Linkshänder ist dies genau umgekehrt.
Achten Sie bitte einmal selbst darauf !
Jede asymmetrische Fußfehlstellung ( Knickfüße) bzw. Beinfehlstellung (unterschiedlich ausgeprägte X-Beine) im Kindes- und Erwachsenalter ist somit ein posturologisches Problem und sollte unbedingt erkannt und behandelt werden.
Bilder: Konvergenzstörung, asymmetrischer Fußfehler, Kieferorthopädische Versorgung einer Bissklasse II/1
Die Anpassung der Füße im Kindesalter, beruht nicht selten auf einer nicht erkannten Augenkoordinationsstörung (siehe Button Augen).
Sie zeigt sich dann meist in einer Beinlängendifferenz. Dieses zu kurze Bein bleibt auch noch im Erwachsenenalter nachweisbar,wenn diese Zusammenhänge nicht erkannt und behandelt werden.
Eine Korrektur der Füße bzw. der Beinlänge, wie sie bei solch einem Befund oft auch schon bei Jugedlichen durchgeführt wird, hätte fatale Folgen, da sie die Fehlhaltung verstärkt.
Dies ist nicht selten der Grund z.B. für die Entstehung von Skoliosen, da das Becken auf Dauer als Puffer für das Haltungssystem aufgrund dieser Belastung versagt hat. (siehe Button Pathologie).
Diese Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Sinnessystemen Auge, Füße, Zähne und Kiefer hat Bricot nach den Recherchen Dr. Fimianis 1986 als Erster erkannt und erstmalig in seiner Lehre über das Haltungssystem beschrieben.
Damals ging Bricot von einer falschen Vorstellung aus. Er ging damals davon aus, dass sich das Körpergewicht auf die Füße bei einer Fehlhaltung unterschiedlich verteilt, und nur bei einer normalen Haltung gleich bleibt. Es trat aber genau der umgekehrte Fall ein.(siehe Button Der Weg zur Therapie)
Den Grund dafür sieht er jetzt in den Anpassungen der Füße an jede Fehlhaltung bzw. Rezeptorstörung, um so eine gleichmäßige Verteilung des Körpergewichtes auf beide Füße zu gewährleisten. Damit unsere Füße diese Aufgabe erfüllen können, sind sie förmlich gezwungen, sich asymmetrisch oder sogar disharmonisch zu verdrehen und zu verformen.
Diese Anpassungen der Füße, die anfänglich noch rückläufig sind, fxieren sich mit der Zeit, weshalb eine Korrektur der Füße nach Bricot unumgänglich ist.