Die Therapie des Zahn- Kieferapparates
An zweiter Stelle steht bei dieser Therapie die Behandlung weiterer Störeinflüsse des Haltungssystems.
In Zusammenarbeit mit einem Zahnarzt sollte eine Korrektur der Störungen des Zahn- Kieferapparates erfolgen.
Der Zahn- Kieferapparat Ursache oder Folge einer Störung im Haltungssystem? (siehe auch Behandlungsbeispiel 1 dokumentiert mit dem Haltungsanalysesystem corpus-concepts)
Durch den Test auf Symmetie der Temporalismuskulatur(Schläfenmuskulatur) erhalten Sie einen ersten Hinweis auf eine Störung im Zahn- Kieferapparat (dento- okklusale Störung). Auch eine Asymmetrie bei der Untersuchung der Unterkieferbewegung weist auf eine okklusale Gleichgewichtsstörung hin.
So führen Sie den Test auf Symmetrie der Temporalmuskeln richtig durch:
Lassen Sie Ihren Patienten seine Handflächen auf beide Schläfenmuskeln legen und ein paar Mal seine Zähne fest zusammen beißen.
Spürt Ihr Patient dabei eine Asymmetrie der Schläfenmuskeln, d.h. eine Seite spürt sich deutlich verspannter an als die andere, bitten Sie ihn mehrmals laut die Vokale U und I nacheinander zu wiederholen.
Danach sollte er noch einmal seine Schläfenmuskeln auf Asymmetrie untersuchen.
Besteht die Asymmetrie nicht mehr, so ist das ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht in seinen Kaumuskeln z.B. durch emotional bedingtes Anspannen der Kaumuskeln wie Bruxismus (Zähneknirschen), Clenching (Zähnepressen).
Besteht jedoch die Asymmetrie weiter, so lassen Sie den Patienten jetzt erst mit seiner Zunge ein paar Mal schnalzen oder Klock sagen, dann soll er noch ein paar Mal die U- und I- Laute wiederholen.
Besteht nun keine Asymmetrie mehr, dann liegt der Verdacht auf eine Zungenmuskelfunktionsstörung vor.
Besteht die Asymmetrie jedoch immer noch, dann besteht der dringende Verdacht auf eine Störung im Zahn- Kieferapparat.
In diesem Fall sollten Sie Ihren Patienten bitten, zusätzlich zu Ihrer Therapie auch seinen Zahnarzt auf zu suchen.
Führen Sie den Test doch einmal bei sich selbst durch.
Zu welchem Ergebnis kommen Sie?
Bei der Behandlung der Störungen im Zahn- Kieferapparates ist es wichtig, welches Ziel Sie für Ihren Patienten anstreben.
Wollen Sie die Verspannungen in den Kaumuskeln beeinflussen, so haben sich besonders folgende Aufbiss - Schienen als sinnvoll herausgestellt:
weicher, dicker Geradehalter von mindestens 5 mm Durchmesser, entnommen aus dem Lehrbuch von Prof. Bricot
oder z.B. ein Aqualizer
www.aqualizer.eu , www.aqualizer-shop.de oder www.mediplus-shop.de
Bitten achten Sie darauf, dass diese Schienen weich sein sollten und mindestens einen Durchmesser
von mindestens 5 mm haben!!!
Der Aqualizer bewirkt durch seine Entspannung eine neuromuskuläre Rekalibrierung des kompletten stomatognathen Systems. Der Unterkiefer kann sich nun wieder in die ursprüngliche CR-Position (Centric Relation) zurückbewegen.
Mit diesen Schienen wird erreicht, dass sich die Kaumuskeln effektiv entspannen.
Der Aqualizer schaltet die Irritation des Kaumuskelnerves (Trigeminus), durch eine zu starke Verspannung der Kaumuskeln durch z.B. Zähnepressen oder – Knirschen, aber manchmal auch durch einen zu frühen Kontakt eines oder mehrerer Zähne, aus.
In der ersten Zeit, mindestens für 6 Wochen, sollten sie nachts getragen werden und bei Bedarf auch über Tag, je nach emotionaler Belastung.
Allgemeine Empfehlung in der funktionellen Schienenversorgung: Bei Patienten die bereits starke Abrasionen aufweisen ist es sinnvoller ein Zentrik-Registrat in der neuen Bißlage zu nehmen, um anschließend die korrekte Bißlage im Artikulator wieder herzustellen und eine entsprechende Versorgung mit Kronen, Brücken und Veneers zu gewährleisten.
Erst danach sollte eine Schiene angefertigt werden, die sich an die ideale Bissposition Ihres Patienten anpasst.
Eine Behandlung mit dünneren Schienen von weniger als 5 mm Durchmesser sollte nur erfolgen, wenn eine Neupositionierung oder Wiederherstellung der vertikalen Dimension (Bisshöhe) gewünscht wird.
Diese Schienen sollte Ihr Patient ständig tragen. Sie dürfen nur alle 6 Wochen erhöht werden, damit sich das Haltungssystem in Ruhe an das neue Bissschema anpassen kann.
Anstelle von festen Zahnspangen empfiehlt Bricot, wenn erforderlich, eine funktionelle Schienenbehandlung zur Korrektur von Zahn- oder Bissfehlstellungen z.B. eine seno-motorische Okklusalschiene, siehe www.itmr.info oder z.B. ein Bionator nach Dr. Christoph Herrmann (Heidelberg), um so das Haltungssystem zu schützen.
Dies sollte aber immer erst 6 Wochen nach Beginn einer posturo -logischen Behandlung erfolgen, da nach Bricot bei 85 %der Betroffenen primär eine Störung im Haltungssystem (Augen- und/ oder Fußfehler) vorliegt. (Beispiel von Dr. Fimiani, Behandlungsbeispiel 1 und Beispiel 2 )
Beim Vorliegen einer überwiegenden Zungenfunktionsstörung (z.B. Lispeln) sollte eine myofunktionale Umerziehung gerade bei Kindern z.B. durch eine/n Logopädin/en angestrebt werden.
Vorher müssen alle Zahnlücken z.B. nach Zahnextraktionen geschlossen werden, da sie über Zungenfunktionsstörungen bzw. Zahnwanderungen durch die dadurch ausgelöste Unterkiefer -seitverlagerung eine asymmetrische Kopffehlhaltung und/ oder eine Augenrezeptorstörung verursachen bzw. verstärken können.
Konvergenzstörung und offener Biss
vor und nach 12 Monaten Behandlung